Konzentrationstraining

Ziele des Basistrainings

Das Konzentrationstraining nach Lauth/Schlottke wendet sich an jüngere Kinder (7-9 Jahre) mit grundlegenden Schwierigkeiten beim Aufnehmen und Verarbeiten von Informationen sowie bei der Verhaltenssteuerung.
Im 1. Teil des Trainings geht es um das Einüben von Fertigkeiten, im 2. Teil um das Einüben von Selbststeuerung (Reaktionskontrolle). Ferner kann es für präventive Zwecke bei leistungsgefährdeten und impulsgestörten Kindern eingesetzt werden.
Das Basistraining verfolgt insgesamt vier Ziele:

  1. Den Kindern wird handlungsrelevantes Wissen über Aufmerksamkeitsstörungen vermittelt.
  2. Sie üben prinzipielle Basisfertigkeiten wie „genau hinschauen“, „genau beschreiben“, „genau hinhören“, „genau zuhören“ und „nacherzählen“, „Wahrgenommenes genau wiedergeben“.
  3. Sie lernen Reaktionsverzögerung (nachdenken, prüfen), indem sie zunächst eine Signalkarte („Halt, Stopp!“) einsetzen und diese dann im weiteren Trainingsverlauf und im Alltag imaginativ verwenden (ikonisch-verbale Reaktionskontrolle).
  4. Die Kinder lernen, ihr Aufmerksamkeitsverhalten durch verbale Selbstanweisungen zu steuern.

Für weitere Informationen steht Ihnen das Praxisteam gerne zur Verfügung.

Details zum Kurs

  • Die Gruppe findet in fortlaufender Form statt.
  • Der Einstieg ist nach einem Vorgespräch jederzeit möglich.
  • Das einstündige Training findet einmal wöchentlich statt.
  • Gruppengröße 4 bis 6 Kinder – 2 Therapeuten
  • Bei Vorlage einer Verordnung für Ergotherapie werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen.

Voraussetzungen für Aufmerksamkeit
Aufmerksamkeit ist eine komplexe Handlung, die auf neuronalen und psychologischen Voraussetzungen beruht. Am Zustandekommen von Aufmerksamkeitsleistungen sind vielfältige Hirnareale beteiligt. Spezielle Bereiche des „Limbischen Systems“ sind vor allem für das Auswerten von Sinnes-eindrücken, Gedächtnisleistungen und die Entscheidungsfindung maßgebend. Die Frontalregion des Neokortex (rechtsseitiges vorderes Stirnhirn) ist hingegen dafür entscheidend, ob bestimmte Verhaltensmuster ausgeführt, unterlassen oder unterbrochen werden. Neuropsychologisch setzen Aufmerksamkeitsleistungen eine sichere und rasche Merkmalserkennung (frühe bzw. späte Selektion von Reizen) sowie hinreichende Fähigkeiten zur Informationsaufnahme und -verarbeitung voraus. Wichtig ist außerdem die Fähigkeit, einen dafür optimalen Aktivierungszustand aufrechtzuerhalten oder herbeizuführen.
Diese Voraussetzung entwickelt sich erst im Laufe der Zeit: Kinder lernen, sich auf wichtige, aufgabenrelevante Einzelheiten zu konzentrieren. Es gelingt ihnen zunehmend besser, wichtige Informationen von weniger wichtigen zu unterscheiden und sich bevorzugt an die zu erinnern, auf die es ankommt. Sie gehen geschickter an Aufgaben heran und entwickeln eine flexiblere, genauere sowie wirksamere Aufmerksamkeitsstrategie. Ihr Aufmerksamkeitsumfang vergrößert sich und ihre Aufmerksamkeitsdauer erweitert sich. Eine Reihe von kognitiven Voraussetzungen /(z.B. Suchstrategien, Gedächtniskapazität, Arbeitsstrategien, Selbststeuerung) verbessert ihr zielgerichtetes Verhalten. Diese Veränderungen hängen mit der Gehirnreifung, aber auch mit Lernerfahrungen zusammen.
Kinder mit einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung haben solche Voraussetzungen nicht angemessen entwickelt. Ihr auffälliges Verhalten weist auf spezielle Defizite hin, die als mangelnde Selbststeuerungsfähigkeit sowie als Einschränkung der Informationsaufnahme und -verarbeitung interpretiert werden können. Ob und in welcher Form sich solche Schwierigkeiten entwickeln und manifestieren, hängt von neurobiologischen, psychologischen und sozialen Faktoren ab.

Erklärung von Aufmerksamkeitsstörungen
Aufmerksamkeitsgestörte Kinder zeichnen sich zunächst durch ihre Primärsymptomatik aus. Entsprechend der Diagnosekriterien zeigen sie ein übergreifendes Verhaltensmuster an Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Hyperaktivität – und dies in verschieden wichtigen Lebensbereichen (Schule, Familie, Spiel mit Gleichaltrigen).
Bei näherem Hinsehen erweist sich ihr Verhalten allerdings als recht situationsspezifisch:

  • Beispielsweise zeigen sich Verhaltensschwierigkeiten im Unterricht, jedoch nicht zwangsläufig auf dem Spielplatz.
  • Ihre Probleme treten stärker bei fremdbestimmten (z.B. im Unterricht), weniger bei selbstbestimmten Tätigkeiten (z.B. bei freiem Spiel) auf.
  • Unter unstrukturierten Bedingungen haben sie eher Schwierigkeiten als bei genauer Anleitung .
  • Wenn eine unmittelbare Belohnung zu erwarten ist, verhalten sie sich zielbezogener und machen weniger Fehler.
  • In neuen, spannenden Situationen haben sie weniger Schwierigkeiten als in solchen, die bereits ihren Reiz verloren haben. Bei länger andauernden Tätigkeiten schwankt ihr Verhalten stärker und ist weniger konsistent als bei klinisch unauffälligen Kindern.
  • Sie haben vor allem Schwierigkeiten mit der Daueraufmerksamkeit, weniger bei kurzzeitigen Aufmerksamkeitsleistungen.
  • Auch sind ihre Probleme besonders dann groß, wenn zeitlich weit auseinander liegende Anforderungen bei einer Aufgabe beachtet werden sollen.
  • Es fällt ihnen auch schwer, Dinge mit anderen Kindern zu teilen oder abzuwarten, bis sie an der Reihe sind.
  • Ihr Verhalten zeichnet sich weniger durch wirkliche Störungen, als vielmehr durch wenig regelhaftes Verhalten aus (z.B. aktive Beteiligung am Unterricht).
  • Sie reagieren bevorzugt auf hervorstechende Merkmale innerhalb einer Aufgabe und vernachlässigen die subtilen, jedoch lösungsrelevanten Bestandteile daran.
  • Ihre Aufmerksamkeit ist besser, wenn das Arbeitsmaterial interessant und reizvoll gestaltet ist. Die Aufmerksamkeit ist bei abwechslungsreichen Anforderungen größer. Ihre Schwierigkeiten zeigen sich also bevorzugt dann, wenn Stetigkeit, Selbststeuerung, Impulskontrolle und Bedürfnisaufschub gefordert sind.